Neu: "Diagnosefinder"
IMPINGEMENTSYNDROM
23
Gelenkschmerzen
23.2
Schultergelenkschmerz
23.2.1
Periarthropathia humeroscapularis
23.2.1.1 Impingementsyndrom
Das Impingementsyndrom
gehört zur Gruppe der
Engpaßsyndrome (=
Krankheitszeichen bei einer Einengung).
Dabei haben die
Sehnen der
Muskeln, die das
Schultergelenk
bewegen, zu wenig Platz. Ihr Gleitraum ist durch Knochenvorsprünge und eine
Vielzahl von Seh
nen im Bereich unterhalb der Schulterhöhe
eingeschränkt. Aufgrund der Enge führen an sich wenig belastende Faktoren rasch
dazu, daß die Seh
nen aneinander oder an den
Knochen
reiben und sich entzünden, teilweise unter Einbezug des
Schleimbeutel
s. Eine fast immer vorhandene
Durchblutungsstörung begünstigt die
Entzündungsreaktion.
Typische Anzeichen sind
Schulterschmerzen,
die vor allem nachts sowie beim Anheben des Armes auftreten.
Das Impingementsyndrom fällt unter den Oberbegriff "Periarthritis humeroscapularis".
Als
Periarthritis humeroscapularis werden verschiedene schmerzhafte
Krankheitszeichen in der Umgebung des Schultergelenks bezeichnet, so z.B.
Affektionen (=
Störungen) des Akromiohumeralgelenkes
(= Gelenk zwischen dem Oberarmknochen und einem Ausläufer des
Schulterblatts) oder Störungen /
Läsionen (meist Gewebszerreißungen) der Rotatorenmanschette
((=die aus den
Oberarmdrehmuskeln (Musculi subscapularis, supra- u. infraspinatus, teres major
et minor) bestehende Muskelmanschette des Schultergelenkes)).
Häufig liegen
Tendinosen (=
Sehnenentzündungen)
vor, besonders im Bereich der Seh
ne des M. supraspinatus. Verkalkungen lassen sich röntgenologisch
nachweisen (Tendinit
is calca rea).
Typischerweise treten Schmerzen oder eine
deutliche Schmerzverstärkung beim Versuch, den Ar m zu heben, auf.
Eine weitere Erkrankung im
Rahmen der
Periarthritis humeroscapularis ist
die
Schultersteife.
Bei dieser Störung führen wiederholte Reizungen / Entzü
ndungen der Bursa
(=
Schleimbeutel)
subacromialis
(= unter dem platten Ausläufer der Schulterblattgräte, dem Dach des
Schultergelenks gelegen) sowie der
Sehnenansätze der Rotatoren
(=
Oberarm
dreh
muskeln)
zu einer Proliferation
(= Vermehrung von Gewebe durch
Wucherung oder Sprossung, meist im Rahmen einer En
tzündung)
und Verklebung des Gleitgewebes zwischen dem
Gelenkkopf des Oberarmknochens und dem
Schulter dach.
Die Patienten klagen über eine schmerzhafte
Bewegung seinschränkung
(Bewegungsschmerz)
im
Schultergelenk.
Weitere Bezeichnungen für die
Schultersteife: Periar
thritis humerosca
pularis adhaesiva, adhäsives
(= entzündlich
bedingte, flächenhafte oder strangförmige bindegewebige Verwachsung)
Subakromialsyndrom und
Schulterfibrose.
Für Schulterschmerzen gibt aber auch noch andere Schmerzursachen, die in die differentialdiagnostischen Erwägungen (= was außer Impingementsyndrom sonst noch an Krankheiten in Betracht kommen könnte) mit einbezogen werden sollten:
Schmerztherapie beim Impingementsyndrom:
Verbleiben trotz einer krankheitsspezifischen Behandlung Schul
terschmerzen, so eignen sich zur Behandlung folgende Maßnahmen, wobei ein
Dauerschmerz praktisch immer eine Kombination von verschiedenen
Therapieverfahren erfordert. Häufig sind die schmerztherapeutischen
Behandlungsmethoden bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich
nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner
Ursache richten.
Medikamentöse Schmerztherapie beim Impingementsyndrom:
Akut und subakut können auch beim Impingementsyndrom zunächst (vorwiegend)
peripher wirkende Analgetika (=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(= Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang
wirkende und
magen schonende wie z.B.
Meloxicam. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog.
COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese
Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei
längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht
auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe
zuvor. Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus
auch
Muskel
relaxanzien (=
Mittel zur Entspannung von
Muskeln)
(z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur mit zentral wirkenden
Analgetika
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
(z.B. Tramadol, Tilidin, bzw.
Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch beim Impingementsyndrom eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Abhängigkeit vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression,
aber auch beim chronischen Impingementsyndrom wirksam)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) oder auch
Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.
Bei einer entzündlichen Schmerzursache sind wiederholte
Cortison-Einspritzungen hilfreich.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika)
zur
Schmerzbehandlung
beim Impingementsyndrom:
Bei anhaltenden
Schmerzen sollten
rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Insbesondere bei
Impingementsyndrom ist eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs-
oder Suchtpotential, die
therapeutische Lokalanästhesie
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in
Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockaden. Dabei wird das Schul
tergelenk wiederholt (stationär bei uns zwei mal täglich)
großzügig perikapsulär
(= um die Gelenkkapsel herum)
infiltriert.
Das Schul
tergelenk kann auch mit "Zeel" umspritzt werden,
was manchen Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen
kommt.
Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in der
Muskulatur)
im Schul terbereich nach
vorheriger Identifizierung derselben.
Als nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Blockaden
(= Betäubungen)
des Nervus suprascapularis in der Incisura
suprascapularis (=
kleine Kerbe am Oberrand des Schulterblattes) in Frage. Über diesen Nerv werden die Schmerzempfindungen aus dem
Schulterbereich fortgeleitet.
Bei hartnäckigen und heftigen
Schmerzen hat sich
die sog. kontinuierliche, retrograd hohe Betäubung des Plexus brachial
is (=
Armnervengeflecht) mit
Katheter sehr bewährt. Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter)
nahe der Achselhöhle in die Nervenscheide des Armnervengeflechts eingepflanzt
und innerhalb derselben noch weiter nach oben vorgeschoben. Die Einpflanzung
erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht
„aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals
täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche
Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. Während dem Einspritzen und
noch kurze Zeit danach wird der
Oberarm mit einer
Manschette abgestaut, so daß die Betäubungsmittellösung innerhalb der
Nervenscheide nach oben getrieben wird und so auch im Schulterbereich
schmerzlindernd wirken kann.
Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Blockade-Behandlung so dosiert,
dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der
Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen
möglich bleiben, in vielen Fällen dann sogar erst effizient möglich sind. Dass
die
schmerz lindernde Wirkung
i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf
zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner
ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung
resultiert, die entzündlichen oder degenerativen
(= abnutzungsbedingten)
Prozessen nachhaltig entgegenwirkt. Diese durchblutungssteigernde Wirkung ist
gerade beim Impingementsyndrom von besonderem Vorteil.
Zur Schmerzbehandlung beim Impingementsyndrom kann auch die kontinuierliche, interskalenäre (= zwischen Muskeln im seitlichen, unteren Halsbereich) Blockade des Plexus brachial is durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit einem etwas größeren Risiko behaftet.
Daß örtliche Betäubungsmittel auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.
Physikalische
Schmerzbehandlung beim Impingementsyndrom:
Auch eine Elektrostimulation kann beim Impingementsyndrom eine
Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit
Niederfrequenzgenerator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten
bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über dem Gelen
k aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der
Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche
Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen
Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einem Impingementsyndrom empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können
ebenfalls
Gelenkschmerzen lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch beim Impingementsyndrom nicht
sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter
schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist beim Impingementsyndrom aber die heilgymnastische
Therapie, da meist nur diese geeignet ist, Gelenkfunktionen zu fördern bzw.
zu erhalten.
Auch eine
Magnetfeldtherapie (pulsierende
Signaltherapie) kann sehr hilfreich sein, gleiches gilt für
die
Hochtontherapie.
Andere Maßnahmen zur
Schmerzbehandlung beim Impingementsyndrom:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur zur Behandlung chronischer Schul
terschmerzen nicht unerwähnt bleiben.
Hypnoide
(=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen
der
psychologischen Schmerztherapie eine sinnvolle Ergänzung der
Gesamtstrategie. Bei einem chronischen Impingementsyndrom ist auch ein
Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
Wer bezahlt eigentlich eine erforderliche, stationäre
Rehabilitationsbehandlung?
(Originaltext der Bundesregierung): "Die Krankenversicherung finanziert
Rehabilitationsleistungen, wenn diese erforderlich sind, um eine Kran
kheit zu erkennen,
zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Beschwerden zu lindern,
sofern die Erwerbsfähigkeit nicht erheblich gefährdet oder gemindert ist.
Sie ist auch zuständig, wenn es darum geht, einer drohenden Behinderung oder
Pflegebedürftigkeit vorzubeugen".
Hinzu kommt seit dem
1.4.2007, daß laut Bundesministerium für Gesundheit alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf
eine Rehabilitation haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung jetzt
sogar selbst aussuchen können.
Die Rentenversicherungen sind demnach nur dann zuständig, wenn die
"Behandlungen der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit bzw.
Wiedereingliederung ins Berufsleben dienen". Wenn also Ihre
Rentenversicherung in diesem Sinne laut Bescheid keinen Handlungsbedarf
sieht, dann ist Ihre Krankenkasse für die Kostenübernahme der stationären
Rehabilitation zuständig.
Auch ist die Krankenkasse selbst
Kostenträger, wenn eine Behinderung oder eine Pflegebedürftigkeit droht. Die Originaltexte finden Sie hier:
http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
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Aktualisiert: >20.01.2008</>
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