Wir informieren über
Kombinierte Kopfschmerzen
Zunächst eine gute Nachricht für alle Schmerz patienten
Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerz patienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerz therapeutischen Klinik behandelt zu werden, er muß also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren sondern kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik
In der Praxis sehen wir kombinierte Kopfschmerzen immer häufiger, wobei eindeutig die Kombination eines primären (= als eigenständiges Krankheitsbild auftretenden) (hauptsächlich Migräne) mit einem sekundären (= als Folge einer Erkrankung oder "Vergiftung" auftretenden) (hauptsächlich Schmerzmittelkopfschmerzen) Kopf schmerz dominiert. Bei Beteiligung eines Schmerzmittelkopfschmerz es kann oftmals die Ursprungskomponente erst nach einer Entzugsbehandlung diagnostiziert werden, weil erst dann die ursprüngliche spezifische Symptomatik wieder in den Vordergrund rückt. Kombinierte Kopfschmerzen treten fast immer als Dauerkopfschmerz auf.
Die Kombinationen
1. Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp, wobei die einzelnen Komponenten entweder gemeinsam oder zeitlich voneinander getrennt auftreten können. Da die Einzelsymptome fließend ineinander übergehen können, lassen sich nicht in jedem Falle die Einzelkomponenten trennen. Häufig kommen die Patienten mit der Hilfsdiagnose "migränoide Kephalgie" (= migräneartige Kopfschmerzen).
2. Migräne und Schmerzm ittel-/ Ergotaminkopfschmerzen. Bei dieser Kombination dominiert als zweite Komponente aufgrund eines Ergota min- oder Schmerzmittelabusus (= mißbräuchliche Anwendung von Ergo tamin bzw. Schmerzmittel) ein vasomotorischer (= von Blutgefäßen ausgehender) Schmerztyp, also dumpf und pulsierend. Ein unflankierter En tzug des Ergotamins (= in dem als alleinige Maßnahme das Ergo tamin weggelassen wird) führt häufig zu statusartigen (= anhaltenden) Migräneanfälle n.
3. Spannungs- und Schmerzmittelkopfschmerzen. Anamnestisch (= die Schmerzvorgeschichte betreffend) traten die ursprünglichen Kopfschmerzen vom Spannun gstyp früher sehr häufig, oft täglich auf und zwangen so zu häufiger Schmerzmitteleinnahme, wodurch sich schleichend zusätzlich Schmerzm ittelkop fschmerzen ausbildeten. Aktuell geben die Patienten meist einen Dauerkop fschmerz mit wechselnder Intensität an.
4. Andere Kombinationen sind möglich, jedoch seltener, so z.B. vertebragener Kopfschmerz (= von der Halswirbelsäule ausgehende) und Schmerzmittelkopfschmerz.
Therapie der kombinierten Kopfschmerzen:
1. Zur Behandlung der Kombination von M igräne und Kopfschmerzen vom Spannun gstyp gilt als Mittel der Wahl die parallele Medikation mit einem Beta-Blocker (= eigentlich ein Blutdruckmittel, wirkt aber auch gegen M igräne) und einem Antidepressivum (= Mittel gegen Depression, aber auch bei Schmerzen hilfreich). Wir bevorzugen Propanolol (z.B. Dociton ®), 160-240 mg/d und Maprotilin (z.B. Ludiomil ®), bis 150 mg/d. Für die akute und subakute Behandlung hat sich die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) im Kopfbereich bewährt. Je nach aktueller Schmerzsituation können auch Schmerzm ittel verabreicht werden.
2. Bei allen Kombinationen,
die mit einem Schmerzm
ittel- oder Ergota
minabusus
(= mißbräuchliche Anwendung von
Schmerzmi
ttel
bzw. Ergo
tamin)
einhergehen, wie die Kombinationen M
igräne und Schmerzm
ittel- oder Ergotaminkopfschmerzen,
steht zunächst die En
tzugsbehandlung im Vordergrund. Wegen
der gefürchteten Entzugskop
fschmerzen
sollte die Behandlung stationär in einer
Schmerzklinik
erfolgen.
Nach unserer Erfahrung läßt sich ein
Entzug
besonders erfolgreich mit
Trimipramin (z.B. Stangyl ®)
(= ein Mittel primär zur
Behandlung der Psyche, wirkt aber auch schmerzlindernd)
bewerkstelligen. Die sonst ca. 3-10 Tage anhaltenden
Entzugskopfschmerzen
sprechen in der Regel zuverlässig auf die wiederholte (1 bis 2 mal tägliche)
therapeutische
Lokalanästhesie im Kopfbereich an.
Die Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel ist in dieser Situation
die optimale Lösung, da es wenig sinnvoll ist, den Entzugskop
fschmerz wieder mit (anderen)
Schmerzmitteln behandeln zu wollen. Da die therapeutische Lokalanästhesie
auch zur prophylaktischen
(= vorbeugenden)
M
igränebehandlung geeignet ist, tritt die
ursprüngliche M
igräne nach einem erfolgreichen En
tzug oft nur noch in abgeschwächter
Form auf.
Bei nicht ausreichender Wirkung kann immer noch zusätzlich ein Betablocker
(=
Blutdruckmittel, das auch bei
M
igräne
hilft) (z.B. Propanolol) oder ein
Serotonin-Antagonist
(= ein dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkendes Mittel)
verabreicht werden.
3. Die Behandlung der
Kombination Spannun
gs- und Schmerzm
ittel- Kopfschmerzen
erfolgt analog zu 2. Zunächst beginnt man wieder die En
tzugsbehandlung mit Trimipramin (z.B.
Stangyl®) unter dem Schutz einer wiederholten therapeutischen
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel).
Im Zuge einer stationären Behandlung führen wir diese dann 2x täglich noch
ca. 10-14 Tage konsequent weiter.
Zur Prophylaxe (=
Vorbeugung) des
Spannungskopfschmerzes ist die Einleitung einer schmerzdistanzierenden
psychotropen Medikation
(= Mittel zur Behandlung
der Psyche, wirkt aber auch gegen Schmerzen)
sinnvoll. Dazu tauschen wir dann später Trimipramin (z.B. Stangyl®) gegen
Maprotilin (z.B. Ludiomil®) oder Doxepin (z.B. Aponal®) aus.
4. Vom Prinzip her gelten
die beschriebenen Therapiemaßnahmen auch für andere Kombinationen.
Ist eine Komponente ein Schmerzm
ittel- Kop
fschmerz, so erfolgt immer zunächst
der En
tzug, danach wird das ursprüngliche
Kopfschmerzsyndrom
behandelt. In der Praxis ist es allerdings oft nicht einfach, einen
Kombinationskop
fschmerz zu erkennen, besonders wenn
eine langjährige chronische Verlaufsform vorliegt.
Auch wenn wir nicht sicher sind, daß Schmerzm
ittel- (oder Ergota
min-) Kopfschmerzen vorliegt, dies
aber aufgrund des aktuellen Medikamentenverbrauchs theoretisch möglich
erscheint, führen wir die beschriebene
En tzugsbehandlung durch, wobei
wir die gewohnte, bisherige Schmerzmittelmedikation sofort absetzen. Nicht
selten bleiben Kopfschmerzen nach dieser Behandlung völlig weg, so daß dann
nicht einmal mehr im nachhinein eine differenzierte Diagnose gestellt werden
kann.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
im Bereich des Kopfes zur En
tzugsbehandlung:
Blockade aller
Nerven,
die an der sensiblen Innervation
(= Versorgung) des
Schmerzbereichs beteiligt sind (infrage kommen die Ner
ven supraorbitales, occipitales majores et minores), mit 1-2 ml z.B.
Bupivacain 0,25-0,5% an ihren Austrittspunkten, 1 bis 2 mal täglich.
Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis- Region
(=
Schläfenbereich) und korrespondierende Triggerpunkte
(= Schmerzreizpunkte)
infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(=
Muskeln und
deren Gewebsumhüllung betreffende)
Triggerpunkte.
Bei hinterkopfbetonten Kopfschmerzen, auch mit mehr oder weniger deutlicher
Beteiligung der
Halswirbelsäule,
unabhängig davon wie die Kopfschmerzen nach den obengenannten Kriterien
klassifiziert wurde, führen wir in gleicher Sitzung tiefe Infiltrationen der
paravertebralen
(= an die
Wirbelsäule
angrenzenden)
Muskulatur
mit insgesamt etwa 4- 6 ml durch.
Grundsätzlich sind auch bei den verschiedenen Kombinationskop fschmerzen nichtmedikamentöse Therapieverfahren sinnvoll, so z.B. die transkutane (= über die Haut verabreichte) elektrische Nervenstimulation mittels Klebeelektroden, insbesondere aber auch psychologische Interventionen (z.B. Erlernen von Entspannungstechniken, Schmerzbewältigung).
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Aktualisiert: >01.01.2007</>
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