Informationen über Krankheit und Schmerzbehandlung
Neuroleptika
(Neuroleptika in der Schmerztherapie)
Neuroleptika können als Mittel zur "Nervendämpfung" bezeichnet werden
Da sich die
Schmerz wahrnehmung
insbesondere bei chronischen
Schmerz zuständen zu einem intensiven und
quälenden Schmerzerleben ausweiten kann, ist es sinnvoll, je nach Stimmungslage
und Antriebsverhalten, auch entsprechende Psychopharmaka
(= Mittel die auf die Psyche wirken), z.B. ein Neu roleptikum,
mit in die medikamentöse
Schmerztherapie aufzunehmen.
Diese sind nicht nur im Hinblick auf ihre ursprüngliche psychiatrische
Indikation (= Anzeige) von Nutzen, sondern auch
wegen ihrer teilweise eigenständigen, schmerzdistanzierenden und evtl.
zentralen (= im Gehirn) analgetischen (=
schmerzlindernden) Wirkung, wie sie inzwischen für manche Substanzen
dieser Gruppe nachgewiesen werden konnte (Wörz 1986).
Ihre Verordnung setzt eine umfassende Aufklärung des Patienten über diese
Indikation (= Anzeige) und mögliche Nebenwirkungen
voraus. Sie wird oft abgelehnt, da viele Patienten die Gabe von Psychopharmaka
wie eine psychiatrische Etikettierung empfinden und sich dadurch diffamiert
fühlen.
Als zusätzliche Medikation oder allein eignen sich zur Schmerztherapie
Neuroleptika (= Mittel, die eine psychische Anspannung herabsetzen)
Wenn chronische Schmerzen mit ausgeprägten
Störungen der Emotionalität (= Gefühlsbewegung)
und des leiblichen Wohlbefindens einhergehen, können auch neuroleptisch
wirksame Psychopharmaka (Neuroleptika) indiziert (= angezeigt) sein. Durch ihren modulierenden Einfluß auf
das affektiv-motivationale (= die Gesamtheit der seelisch-dynamischen Faktoren, die das augenblickliche Verhalten bestimmen)
Schmerzerleben wie auch auf die kognitive (= das Erkennen,
Wahrnehmen und Denken betreffende) Schmerzverarbeitung bildet die
zusätzliche Therapie mit Neuroleptika eine wertvolle Alternative zu den traditionellen
Strategien der Schmerzbehandlung.
Ob dabei Neuroleptika selbst analgetisch (= schmerzlindernd)
wirken, konnte bislang nicht eindeutig bestätigt werden.
Die Kombination eines Neurolep tikum `s mit einem
Antidepressivum
(= Mittel gegen traurige Verstimmung) erweist sich als vorteilhaft, im
allgemeinen genügen dann niedrigere Dosen als bei einer Monotherapie
(= Behandlung mit nur einem Wirkstoff).
Tabelle: Wirkungsspektren
der gebräuchlichsten Neuroleptika
--------------------------------------------------------------------------------------------------
Antipsychotische Potenz (APP) (=
Wirkung auf vorübergehende oder sich stetig verschlechternde psychiatrischen Erkrankungen mit erheblicher Beeinträchtigung psychischer Funktionen)
Psychomotorische Dämpfung (PMD) (=
Dämpfung der die Bewegungsvorgänge des Körpers beeinflussenden dynamischen Struktur der Psyche)
|
Neurolep ti kum |
APP | PMD |
| Promethacin (z.B. Atosil®) | niedrig | stark |
| Chlorpromazin (z.B. Megaphen®) | niedrig | stark |
| Chlorprothixen (z.B. Truxal®) | niedrig | stark |
| Levomepromazin (z.B. Neurocil®) | niedrig | stark |
| Prothipendyl (z.B. Dominal®) | niedrig | mittel |
| Thioridazin (z.B. Melleril®) | niedrig | stark |
| Fluphenazin (z.B. Dapotum®) | mittel | mittel |
| Perazin (z.B. Taxilan®) | mittel | mittel |
| Triflupromazin (z.B. Psyquil®) | mittel | mittel |
| Fluspirilen (z.B. Imap®) | stark | gering |
| Haloperidol (z.B. Haldol®) | stark | mittel |
| Pimozid (z.B. Orap®) | stark | gering |
| Sulpirid (z.B. Dogmatil®) | stark | gering |
Hochpotente Neuroleptika sind mit einem höheren Risiko
extrapyramidalmotorischer (= Muskeltonus und Bewegungsabläufe
betreffende) Störungen (Frühdyskinesien, Parkinsonoid, Akathisie
oder Spätdyskinesie) behaftet und werden bei Neuroleptika mit geringer
antipsychotischer Wirkungsintensität seltener beobachtet. Durch zusätzliche
Gabe eines Anticholinergikums wie Biperiden (z.B. Akineton®,
bis 8mg täglich) lassen sich jedoch neuroleptogene dyskinetische (=
Störung oder schmerzhafte Fehlfunktion eines Bewegungsablaufs betreffende)
Reaktionen weitgehend neutralisieren.
Umgekehrt treten bei schwachpotenten Neuroleptika neben dem erwünschten
psychomotorisch- dämpfenden und schlafanstoßenden Effekt vermehrt auch
störende vegetative Begleitsymptome (z.B. Schwindel, Schwitzen) auf. Bei
Dauertherapie besteht die Gefahr unkorrigierbarer Spätdyskinesien (besonders
perioral) (= Zuckungen um den
Mund herum), die das
soziale Leben des Patienten schwer beeinträchtigen können. Daher sollte die
Behandlung auf einige Wochen bis maximal 3 Monate limitiert (=
begrenzt) werden.
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