Erfahrung seit 1983
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig (OPS 8-918).
Okzipitalneuralgie
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Die primäre, idiopathische (=
als eigenständige Erkrankung auftretende) Okzipitalneuralgie
im Sinne einer echten
Neuralgie
ist relativ selten.
Es treten einseitig paroxysmale (= anfallsartig einschießende)
Kopfschmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus occi
pitalis major auf
(Hinterkop f bis
Scheitelhöhe).
Die isolierte, idiopathische Neuralg ie des Nervus occi
pitalis minor, dessen Ausbreitungsgebiet sich lateral (=
weiter außen, zum Oh r hin) anschließt, ist eine
Rarität, die praktisch keine Rolle spielt. Vermutlich ist eine Neuralgie des N.
occi pitalis minor meist mit der dominierenden N. occi
pitalis major-Neuralgie
vergesellschaftet und wird deshalb diagnostisch vernachlässigt.
Im Gegensatz zur idiopathischen Trigeminus-Neuralgie
fehlen typische Triggermechanismen (=
Auslösemechanismen), allenfalls kann
eine Schmerzattacke (=
Schmerzanfall)
durch Druck auf den NAP (=
Nervenaustrittspunkt) ausgelöst werden.
Im schmerzfreien Intervall zeigen sich bei der Untersuchung in der Regel
keine Auffälligkeiten.
Die Diagnose einer Okzipitalneuralgie
wird durch eine
probatorische (= zur Klärung der Diagnose
durchgeführte)
Nervenblockade mit z.B. 1-3 ml Mepivacain (z.B. Scandicain®1%) (=
mittellang wirkendes
örtliches Betäubungsmittel)
gesichert.
Analog zu
Gesichtsschmerzen liegt häufiger
eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch meist einseitige
Schmerzsensationen und längerfristigen Schmerzepisoden bis hin zu einem
Dauerschmerz bzw.
Dauerkopfschmerz.
Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf und drückend angegeben. In der Regel
ist die betroffene Okzipitalseite (= Hinterkop f bis
Scheitelhöhe) druckschmerzhaft, das
Ausbreitungsgebiet öfters klopfempfindlich. Häufig ist die paravertebrale (=
neben der Wirbelsäule) Halswirbelsäulen-Muskulatur
verspannt, auch finden sich öfters mehr oder weniger deutlich schmerzhafte
Einschränkungen der Kopfbeweglichkeit.
Die geschilderte Symptomatik (= Krankheitszeichen)
zeigt, daß eine Abgrenzung gegenüber dem okzipital (=
den Hinterkop f bereffenden) betonten Spannungskopfschmerz
und dem vertebragenen
(von der Wirbelsäule ausgehenden)
Kopfschmerz
oft nicht möglich ist.
Medikamentöse
Schmerztherapie bei Okzipitalneuralgie:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend) können
zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und
magen
schonende wie z.B.
Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib oder Etoricoxib,
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon
andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien
(= Mittel zur Entspannung von
Muskeln) (z.B.
Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die
Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden
Analgetika (z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) (= im
Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Sind die Schmerz
en eher anfallsartiger Natur, also im Sinne echter
Neuralgien, so ist das Mittel der Wahl Carbamazepin
(= ein Mittel zur Behandlung der
Fallsucht, aber auch bei
Schmerzanfälle
n wirksam).
Gabapentin
oder Pregabalin
wirken oft besser, sind aber teurer.
Grundsätzlich sollte aber auch bei einer
Okzipitalneuralgie
eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch
bei chronischen Schmerzen wirksam)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Spezielle Schmerztherapie bzw.
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
bei
Okzipitalneuralgie:
Bei anhaltenden Schmerzen sollten rechtzeitig alternative
Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes
Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit
einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form
von Blockaden (Betäubungen) der Okzipitalnerven (Nn. occipi
tales majores) am
Hinterkop f. In hartnäckigen Fällen werden diese Blockaden 2-3 mal täglich
über einen längeren Zeitraum (8-10 Tage) durchgeführt.
Eine elegante und für den betroffenen Patienten schonende, weil
schmerzarme Methode ist die
kontinuierliche Nervenblockade mit Katheter.
Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen
Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle
hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über
diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen
Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt.
In
bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch
den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.
Dass die schmerzlindernde
Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a.
darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog.
vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche
Durchblutungssteigerung resultiert und damit verschiedenen Schmerzursachen
entgegenwirkt.
Nach neueren Erkenntnissen kann mit dieser Methode auch das sog.
Schmerzgedächtnis gelöscht werden.
In hartnäckigen Fällen müssen zusätzlich Blockaden der C2-Wurzeln (nur bei Befall des N. occi pitalis major) durchgeführt werden.
Physikalische Therapiemaßnahmen wie Wärme- oder Kälteapplikation, aber auch transkutane Nervenstimulationen können zur Linderung beitragen.
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