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Okzipitalneuralgie
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Die primäre, idiopathische (= als eigenständige Erkrankung auftretende) Okzipitalneuralgie im Sinne einer echten Neuralgie ist relativ selten.
Es treten einseitig paroxysmale (= anfallsartig einschießende) Kopfschmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus occi pitalis major auf (Hinterkop f bis Scheitelhöhe).
Die isolierte, idiopathische Neuralg ie des Nervus occi pitalis minor, dessen Ausbreitungsgebiet sich lateral (= weiter außen, zum Oh r hin) anschließt, ist eine Rarität, die praktisch keine Rolle spielt. Vermutlich ist eine Neuralgie des N. occi pitalis minor meist mit der dominierenden N. occi pitalis major-Neuralgie vergesellschaftet und wird deshalb diagnostisch vernachlässigt.
Im Gegensatz zur idiopathischen Trigeminus-Neuralgie fehlen typische Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen), allenfalls kann eine Schmerzattacke (= Schmerzanfall) durch Druck auf den NAP (= Nervenaustrittspunkt) ausgelöst werden.

Im schmerzfreien Intervall zeigen sich bei der Untersuchung in der Regel keine Auffälligkeiten.
Die Diagnose einer Okzipitalneuralgie wird durch eine probatorische (= zur Klärung der Diagnose durchgeführte) Nervenblockade mit z.B. 1-3 ml Mepivacain (z.B. Scandicain®1%) (= mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel) gesichert.

Analog zu Gesichtsschmerzen liegt häufiger eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch meist einseitige Schmerzsensationen und längerfristigen Schmerzepisoden bis hin zu einem Dauerschmerz bzw. Dauerkopfschmerz. Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf und drückend angegeben. In der Regel ist die betroffene Okzipitalseite (= Hinterkop f bis Scheitelhöhe) druckschmerzhaft, das Ausbreitungsgebiet öfters klopfempfindlich. Häufig ist die paravertebrale (= neben der Wirbelsäule) Halswirbelsäulen-Muskulatur verspannt, auch finden sich öfters mehr oder weniger deutlich schmerzhafte Einschränkungen der Kopfbeweglichkeit.
Die geschilderte Symptomatik
(= Krankheitszeichen) zeigt, daß eine Abgrenzung gegenüber dem okzipital (= den Hinterkop f bereffenden) betonten Spannungskopfschmerz und dem vertebragenen (von der Wirbelsäule ausgehenden) Kopfschmerz oft nicht möglich ist.

Medikamentöse Schmerztherapie bei Okzipitalneuralgie:
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskel relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Sind die Schmerz
en eher anfallsartiger Natur, also im Sinne echter Neuralgien, so ist das Mittel der Wahl Carbamazepin (= ein Mittel zur Behandlung der Fallsucht, aber auch bei Schmerzanfälle n wirksam). Gabapentin oder Pregabalin wirken oft besser, sind aber teurer.

Grundsätzlich sollte aber auch bei einer
Okzipitalneuralgie eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmerzen wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Spezielle Schmerztherapie bzw. therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Okzipitalneuralgie:
Bei anhaltenden Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von Blockaden  (Betäubungen) der Okzipitalnerven (Nn. occipi
tales majores) am Hinterkop f. In hartnäckigen Fällen werden diese Blockaden 2-3 mal täglich über einen längeren Zeitraum (8-10 Tage) durchgeführt.
Eine elegante und für den betroffenen Patienten schonende, weil schmerzarme Methode ist die kontinuierliche Nervenblockade mit Katheter.
Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt.
In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.

Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert und damit verschiedenen Schmerzursachen entgegenwirkt.
Nach neueren Erkenntnissen kann mit dieser Methode auch das sog. Schmerzgedächtnis gelöscht werden.

In hartnäckigen Fällen müssen zusätzlich Blockaden der C2-Wurzeln (nur bei Befall des N. occi pitalis major) durchgeführt werden.

Physikalische Therapiemaßnahmen wie Wärme- oder Kälteapplikation, aber auch transkutane Nervenstimulationen können zur Linderung beitragen.

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