Erfahrung seit 1983
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig.
SPINALKANALENGE
Enge des Spinalkanals
Die Spinalkanalenge ist eine absolute oder relative Enge des Spinalkanal s (= Raum, in dem das Rückenmark und die Spinalnerven verlaufen). Je nachdem, an welcher Stelle der enge Spinalkanal vorliegt, können sehr unterschiedliche Symptome (= Krankheitszeichen) auftreten.
Eine Spinalkanalenge kann entwederUntersuchungen, die den Verdacht auf eine Enge des Spinalkanals erhärten:
Am häufigsten kommt es bei einer lumbalen (= den Lendenbereich betreffenden) Spinalkanalenge zu Schmerzen. Als Ursache dominieren degenerative (= abnutzungsbedingte) Veränderungen.
Bei der Ausbildung
übermäßiger
degenerativer (=
abnutzungsbedingte) Veränderungen
fällt der Bandscheibe eine Schlüsselrolle zu. Der
Wassergehalt des Gallertkernes der Bandscheibe nimmt im Laufe der Zeit ab und
damit die Elastizität, wodurch die Beweglichkeit beeinträchtigt wird. Der
Faserring verliert allmählich seine Haltefunktion, wird rissig und teilweise für
die Gallertmasse durchlässig. Bereits in dieser Phase sind Bandscheibenvorfälle
möglich. Das Bewegungssegment wird durch diese Bandscheibenveränderungen nunmehr
instabil, wodurch die Funktionsbewegungen beeinträchtigt werden. Die
Wirbelkörper können sich dann gegeneinander verschieben, worunter die kleinen
Wirbelgelenke besonders leiden und schließlich mit arthrotischen
(= krankhaften)
Veränderungen reagieren (Spond ylarthrosen).
Mit zunehmender
Bandscheibendegeneration (=
Bandscheibenabnutzung) nähern sich
die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (Spond ylose) und
Sklerosierung (= krankhafte Verhärtung)
der Deckplatten (Os teochondrose).
Diese Veränderungen können sich auch nach innen richten und dann zu einer
Enge
des Spinalkanals führen
und in den betroffenen Segmenten Schmerzen
hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu, so
z.B. Schmerzausstrahlungen in die Be ine in Form einer pseudoradikulären
oder gar radikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen die auf eine scheinbar oder
tatsächlich geschädigte Nervenwurzel zurückzuführen sind)
bis hin zur Claudica tio spinal is. Dabei kommt es zu Schmerzen und Mißempfindungen im Bereich der Dermatome
(= Nervensegmente)
des Sakralteils (= Kreuzbeinbereichs)
des Rückenmarks, die nach einer gewissen Gehstrecke auftreten und beim Stehenbleiben
wieder abklingen.
Medikamentöse Behandlung bei Rückenschmerzen
infolge einer Spinalkanalenge:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend) können
zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und
magen
schonende wie z.B.
Meloxicam.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind diesog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib
oder Etoricoxib,
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien
(= Mittel zur Entspannung von
Muskeln) (z.B.
Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die
Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden
Analgetika (z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) (= im
Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei einer Spinalkanalenge eine
längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Abhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch
bei chronischen Schmer
zen hilfreich) (z.B.
Doxepin, Maprotilin) oder
Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
bei schmerzhafter Spinalkanalenge:
Bei anhaltenden Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden
eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder
Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden
örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen
und Nervenblockaden.
Infiltrative
Lokalanästhesie (=
Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
bei bei
schmerzhafter Spinalkanalenge:
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration
der meist verspannten, an die Wir belsäule angrenzenden
Musku latur. Je nach
segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig
aus.
Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in der Mus kulatur) nach
vorheriger Identifizierung derselben.
Periphere
temporäre (=
oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockade
bei schmerzhafter Spinalkanalenge:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von
Schmerzausstrahlungen eignen sich bei Rückenschmerzen Blockaden (=
Betäubungen) der
korrespondierenden Nervenwurzeln (=
im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen neben der Wirbelsäule).
Im Len
denbereich auch kontinuierlich mit Katheter (*siehe
unten).
Schmerzausstrahlungen in Schul ter/A rm, wie sie bei Spinalkanalenge der unteren Halswir belsäule in typischer Weise vorkommen, sprechen
zufriedenstellend auf die wiederholte hohe Blockade des Plexus brachial
is (=
Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich)
nach Winnie an. Technisch
risikoärmer und oft besser wirksam ist jedoch die kontinuierliche,
retrograd hohe
Plexus brachialis-Blockade mit Katheter (*siehe
unten).
Im Bereich der Be ine können bei entsprechender radikulärer oder pseudoradikulärer
Schmerzausstrahlung (=
Schmerzen die auf eine tatsächlich oder scheinbar geschädigte Nervenwurzel zurückzuführen
sind) der
vordere Oberschenkelnerv (N. femoralis) und / oder der Ischiasnerv wiederholt
blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe unten).
Eine Periduralblockade
(= rückenmarknahe Betäubung) im
Bereich der Halswir belsäule erfordert ein strenge Nutzen-/Risikoanalyse.
Die lumbale Periduralblockade (=
rückenmarknahe Betäubung im Lendenbereich),
insbesondere kontinuierlich mit Katheter*, ist bei Rüc ken- bzw.
Kr euzschmerzen
aufgrund einer Spinalkanalenge eine sehr effektive
Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt
werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung
und Beachtung der hygienischen Belange kann das Risiko bei der Anzeige "Rüc kenschmerzen"
als vertretbar eingestuft werden.
Statt mit einem örtlichen
Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit
einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die
oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung weniger ausgeprägt.
Bei sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rüc kenschmerzen aufgrund einer
Spinalkanalenge kann zur Durchführung
rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut
gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten
Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.
*
Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche oder degenerative Prozesse entstanden sind, hilfreich ist.Physikalische
Therapie
bei Schmerzen aufgrund einer Spinalkanalenge (Enge des Spinalkanals):
Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die
transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf
selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Wir belsäule im
Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der
Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei Rüc kenschmerzen
die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen
elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C
abgekühlt ist.
Manche Patienten mit Rüc kenschmerzen empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen
(Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Rüc kenschmerzen
lindern.
Die Verordnung von Massagen ist bei auch Rüc kenschmerzen aufgrund einer
Spinalkanalenge
nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein,
aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu
unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber bei Rüc kenschmerzen die heilgymnastische Therapie,
da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen
Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
die Musku latur
neben der Wir belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente
Musku latur
eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren
kann.
Auch eine Magnetfeldtherapie kann schmerzlindernd wirken.
Andere
Therapiemaßnahmen
bei Schmerzen aufgrund einer Spinalkanalenge (Enge des Spinalkanals):
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt
bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und
Vermeidung von übermäßigen Wir belsäulenbelastungen (funktionelle
Ergotherapie bzw. Rückenschule).
Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur
Lockerung der Musku latur
erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem
Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide (=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind auch bei Rüc kenschmerzen
eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären
Entspannung führen, ebenso Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychologisch /
psychotherapeutische
Interventionen
können beim
ausgeprägten "psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.
Gut zu wissen...
Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der
Web-Seite der Bundesregierung
mit, dass alle gesetzlich Krankenversicherte mittlerweile einen
Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre
REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen. Lesen Sie dazu auch einen
Brief
des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als
Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen.
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
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