SCHMERZTHERAPIEZENTRUM
Schmerzklinik
Bad Mergentheim
Fachklinik
zur Behandlung chronischer Schmerzen seit 1983
Schmerzambulanz/Schmerzpraxis
(mit Kassenzulassung)
Schönbornstr.
10, 97980 Bad Mergentheim-Löffelstelzen
Telefon:
Schmerzklinik 07931-5493-44, Schmerzambulanz 07931-5493-51
Fax: (Klinik
und Ambulanz): 079315493-50
E-Mail:
schmerzklinik@schmerzklinik.com
Stumpfschmerz
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Beim St umpfschmerz handelt es sich um einen sog. Noz izeptorschmerz. Hierunter versteht man die Aufnahme einer körperlichen Störung oder Schädigung mit Hilfe eines Rezeptors und Weiterleitung als Schmerzreiz über das Nervensystem zum Gehirn. Ein Rezeptor ist eine Art „Empfangseinrichtung“ einer Zelle oder eines Organs bzw. Systems. Sie wird je nach der Art des zu registrierenden Reizes als z.B. Chemo-, Thermo-, Baro- (= den Blutdruck betreffender), akustischer oder taktiler (= den Tastsinn betreffender) Schmerz- Rezeptor bezeichnet.
Ein chronischer St umpfschmerz tritt nach einer chirurgischen oder traumatischen (= unfallbedingten) Entfernung eines Körperteils sehr häufig auf, es dürften wohl ca. 60% der Patienten betroffen sein.
Ein St umpfschmerz kann direkt nach der Operation oder Verletzung auftreten oder auch nach längerer Latenzzeit (=Zeit zwischen Reizeintritt und Reizantwort bzw. Empfindung). Beim St umpfschmerz besteht eine deutliche Neigung zur Chronifizierung (= länger als 3 Monate anhaltend).
Ursachen für einen St umpfschmerz (chronischer):
mechanisch, z.B. schlecht sitzende, schlecht angepaßte Prothese
vaskulär (= die Blutgefäße betreffend), häufig bei Amputat ion wegen Durchblutungsstörung
entzündlich, z.B. Hautentzündungen aber auch Osteomyelit is (= Knochenmarkentzündung), Osteit is (= entzündetes Knochengewebe)
Proliferative (= Vermehrung von Gewebe durch Wucherung oder Sprossung) Erkrankungen wie Tumore, Kallusbildung (= überschießende Knochenneubildung) oder Neurinom (= gutartige Neubildung von Nervengewebe)
Der
St
umpfschmerz
wird häufig durch taktile (= den
Tastsinn betreffende)
oder thermische Reize triggerbar (=
auslösbar).
Oft besteht Druckschmerzhaftigkeit und besonders im Narbenbereich eine
Hyperästhesie (= Überempfindlichkeit
auf Berührung).
Im Unterschied zu Phantomschmer zen
tritt ein
St
umpfschmerz
eher als
Dauerschmerz auf.
Bei Amputat ionen im Bereich
der unteren Ex tremitäten
(= Bei ne)
stellen sich in der Regel später auch
behandlungsbedürftige Beschwerden an kontralateralen
(= gegenüberliegenden) Gelen ken
und an der Wir belsäule
ein, bedingt durch unphysiologische
(= unnatürliche)
Dauerbelastungen.
Der Schmerzcharakter wird beim St umpfschmerz (chronischer) uneinheitlich beschrieben, mal dumpf oder bohrend, ziehend bis stechend. Im weiteren Verlauf kann sich dann auch ein brennender, chronischer St umpfschmerz einstellen, manchmal sogar attackenförmig.
Nicht selten bestehen neben einem St umpfschmerz auch Phantomschmer zen. Dabei werden Schmerzen in einen nicht mehr vorhandenen Körperteil, also außerhalb des Körpers projiziert bzw. dort empfunden.
Schmerztherapie beim St umpfschmerz
Auch beim St umpfschmerz gilt der Grundsatz, daß zunächst eine kausale (= gegen die Ursache gerichtete) Behandlung erfolgen muß. Besteht der St umpfschmerz dennoch weiter, oder kann keine konkrete Schmerzursache gefunden werden, so bieten sich folgende Maßnahmen an:
Besonders beim anfallsartigen, einschießenden St umpfschmerz sollten Antikonvulsiva (z.B. Carbamazepin, Gabapentin) (= Mittel gegen das Anfallsleiden, aber auch bei Stump fschmerz wirksam) versucht werden. Hin und wieder ist auch ein Therapieversuch mit Baclofen (z.B. Lioresal®) (= Mittel zur Muskelentspannung) erfolgreich. Unterstützend (selten als einzige Therapie ausreichend) haben sich beim St umpfschmerz schmerzdistanzierende Antidepressiva (= Mittel gegen Depressionen, aber auch beim Stump fschmerz hilfreich) sehr bewährt. Wir bevorzugen Maprotilin (z.B. Ludiomil®) und Doxepin (z.B. Aponal®).
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika):
Zunächst wiederholte, großzügige Infiltrationen des Stumpfes mit z.B. mit Bupivacain
0,25%.
Nervenblockaden
(Leeser et Hefermann 1988, Leeser et
Brückner, Schmerztherapiezentrum Bad Mergentheim
1990) beim
St
umpfschmerz:
Bei St
umpfschmerz im Bereich der Ar me
wiederholte axilläre Plexusblockaden (=
Blockaden des Armnervengeflechts nahe der Achselhöhle), optimal mit Katheter*
(= eingepflanzter dünner Kunststoffschlauch), bei
hoher Amputat ion
ohne oder mit nur geringem Reststumpf die wiederholte hohe
interskalenäre Plexusblockade (= Blockade des
Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich), oder
kontinuierlich mit Katheter.
Bei St
umpfschmerz im Bereich der Be ine
zunächst diagnostische Blockaden (Nervus femoralis, evtl. als 3-in-1-Blockade;
Nervus ischiadicus), bei positiver Wirkung dann wiederholte Blockaden mit einem
langwirkenden örtlichen
Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain), zur Erhöhung der
Blockadefrequenz auch mit Katheter (Leeser et al. 1987), bei hoher Amputat ion
oder Exartikulation (= Hüftgelen
k herausgetrennt) kontinuierliche
Periduralblockade (= rückenmarknahe Blockade)
mit Katheter*.
Die Suche geeigneter Körperpunkte zur Durchführung der elektrische, transkutanen (= über die Haut verabreichte) Nervenstimulation (TENS) zur Erzielung einer optimalen Wirkung kann sehr zeitaufwendig sein, auf jeden Fall sollte beim St umpfschmerz auch die kontralaterale Ex tremität (= Bei n / Ar m gegenüberliegend) mit einbezogen werden. Meist ist jedoch die schmerzlindernde Wirkung nicht so ausgeprägt, als dass man auf eine Kombination mit anderen Maßnahmen verzichten könnte.
Flankierende Maßnahmen beim St umpfschmerz:
Bei
St
umpfschmerz (chronischer) wirkt häufig eine oberflächliche Kältebehandlung zusätzlich
schmerzlindernd, gleiches gilt für Wechselbäder. Oftmals lässt sich auch beim
St
umpfschmerz durch die Vermittlung von Entspannungstechniken
eine zusätzliche Besserung erzielen.
Auch die Akupunktur
kann beim St
umpfschmerz (chronischer) zu einer Linderung führen, aber als alleinige
Therapiemaßnahme i.d.R. nicht ausreichend.
Zum Abbau von psychosozialen Spannungsfeldern sollten psychologische
Interventionen versucht werden.
Nach unserer Beobachtung sind
Patienten mit einem P hantom-
und / oder St
umpfschmerz im Hinblick auf Schmerzmittelmißb rauch
oder gar -abhängigkeit (gilt z.T. auch für Beruhigungsmittel)
besonders gefährdet. In diesen Fällen leiten wir
unverzüglich eine stationäre Entzugsbehandlung ein.
Bei einem längerfristig bestehenden St umpfschmerz ist davon auszugehen, dass bereits ein Chronifizierungsgrad II, meist sogar III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Erläuterungen:
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muss also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen kann diese intensive Blockadetherapie das sog. Schmerzgedächtnis löschen, auch bei einem St umpfschmerz.
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