ZERVIKOZEPHALGIE
(Schmerzen im Nacken und Hinterkopf)
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Das Halswirbelsäulensyndrom (abgekürzt: HWS-Syndrom) oder auch Zervikalsyndrom genannt, ist ein Sammelbegriff für von der Halswirbelsäule ausgehende oder den Halswi rbelsäulenbereich betreffende Beschwerden.
Die
Zervikozephalgie entspricht dem oberen Halswir
belsäulensyndrom
(oberes
Zervikalsyndrom).
Die typischen Krankheitszeichen sind
in der Literatur unterschiedlich dargestellt (Kügelgen et Hillemacher
1989, Kocher et al. 1980, Dahmen et al. 1985). Gemeinsames
Merkmal sind
Schmerzen im
Nacken mit
Schmerz
ausstrahlung nach oben in den
Hinterkopf,
da sich die Störungen überwiegend auf die
Nervenwurzel
n des 2. Halswirbels konzentrieren. Die Schmerzeinstrahlung in den
Hinterkopf, teilweise auch bis zur
Stirn
region ziehend, führt häufig zur Diagnose eines zervikogenen oder
vertebragenen (=
wirbelsäule
nbedingten)
Kopfschmerz
es.
Inwieweit die H
W
S-spezifische "Unkovertebralarthrose"
(= Erkrankung des
„Halbgelenks“ zwischen zwei Wirbelkörpern)
über eine Einengung der Wirbelsäulenschlagader (A. vertebralis) im Foramen
intervertebrale (=
Zwischenwirbelloch) ein
zerviko-kephales (=
Hals und
Kopf
betreffendes) Krankheitsbild
verursachen kann, ist noch nicht endgültig geklärt. Ansonsten ist die Ursache
für eine Zervikozephalgie überwiegend degenerativer
(= abnutzungsbedingter) Natur.
Schmerzen im Hinterkopf ohne Nacken-Beteiligung finden Sie in der Datei http://www.hinterkopfschmerzen.de.
Medikamentöse Schmerztherapie bei Zervikozephalgie:
Akut (= plötzlich
einsetzend, heftig) und subakut
(= eher schleichend
verlaufend) können zunächst (vorwiegend)
peripher wirkende
Analgetika (=
Schmerzmittel, die
am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(= Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst
langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und
auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit
einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer
Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch
vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien (=
Mittel zur Entspannung von
Muskeln)
(z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal sind aber die
Schmerz
zustände nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei der Zervikozephalgie eine
längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Analgetikaabhängigkeit
(=
Schmerzmittelabhängigkeit)
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, u.a.
aber auch bei chronischen
Schmerzen
im Nacken und
Hinterhaupt
hilfreich) (z.B. Doxepin,
Maprotilin) hilft in vielen Fällen
Schmerz
mittel einzusparen.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung
mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
bei Zervikozephalgie
(Schmerzen im Nacken und Hinterkopf):
Bei anhaltenden
Schmerzen im
Nacken und Hinterkopf sollten rechtzeitig alternative Methoden
eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder
Suchtpotential, ist die
therapeutische Lokalanästhesie
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in
Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockaden.
Infiltrative,
therapeutische Lokalanästhesie bei
Schmerzen im
Nacken
und
Hinterkopf:
Die einfachste diesbezügliche
Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wir
belsäule
angrenzenden
Muskulatur.
Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5%
völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von
Triggerpunkten (=
kleine Reizzonen hpts. in den
Muskeln)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Periphere temporäre
(= oberflächliche, zeitlich begrenzte)
Nervenblockaden bei Schmerzen im
Nacken und Hinterkopf:
Zur Unterbrechung segmentaler
Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich bei
der Zervikozephalgie
Blockaden
(= Betäubungen)
der korrespondierenden Nervenwurzeln
(=
Nerven
austrittstellen neben
der Wir
belsäule),
hpts. C2-Wurzeln.
Gegen Schmerzausstrahlungen in den Hinterkopf wirken wiederholte
Betäubungen Nn. occipitales
(= Nerven am Hinterkopf).
Physikalische Therapie bei
Zervikozephalgie:
Auch die Elektrostimulation kann bei
bei Schmerzen im Nacken eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die
transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst
behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Halswir
belsäule
aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße
kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei Schmerzen im Nacken
die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen
elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C
abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einer Zervikozephalgie empfinden
allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Auch
kann eine
Magnetfeldtherapie (pulsierende
Signaltherapie) versucht werden.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei einer Zervikozephalgie
nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber
unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber bei der Zervikozephalgie
(Schmerzen im Nacken und Hinterkopf) die
heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen
ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren.
Dabei gilt es, die Mus
kulatur neben der Halswir
belsäule
zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Mus
kulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans
kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie)
durchaus gute Erfolge aufzuweisen.
Bei schmerzhaften degenerativen (= durch Abnützung hervorgerufenen)
Veränderungen der Wir
belsäule
wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991).
Andere Therapiemaßnahmen
bei Zervikozephalgie:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur (Schmerzakupunktur)
zur Behandlung des HW
S-Syndroms nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und
Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie).
Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur
Lockerung der Mus
kulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. Schanzsche Krawatte sollten dem
Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide (=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind bei der
Zervikozephalgie (Schmerzen im Nacken und Hinterkopf)
eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären
Entspannung führen, ebenso
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
und die sog.
Schmerzbewältigung.
Psychotherapeutische Interventionen
können bei ausgeprägten "psychosomatischen Schmerzen" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.
Bei längerfristig bestehenden, chronischen Schmerzen im Nacken und Hinterkopf (Zervikozephalgie) ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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Aktualisiert: >12.02.2007</>
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